ETCS Level 2 auf der Rheintalbahn: Rückblick auf die Realisierung sowie Inbetriebnahme zwischen Freiburg und Basel
Ein Blick in die Vergangenheit: Im August letzten Jahres wurden die rund 80 Streckenkilometer der alten Rheintalbahn zwischen Gundelfingen bei Freiburg und Haltingen bei Basel im Rahmen des Projekts Korridor Rhine-Alpine mit ETCS Level 2 ausgerüstet und in Betrieb genommen. In einem Fachartikel in der Zeitschrift „Der Eisenbahningenieur“ blicken die Autor:innen auf diese Realisierung zurück, fassen die Erfahrungen zusammen und ziehen ihr Fazit.
Die Rheintalbahn Freiburg – Basel ist Teil des europäischen Korridors Rhine-Alpine und wurde als erste sehr hochbelastete Strecke mit dem europaweit einheitlichen Zugbeeinflussungssystem European Train Control System Level 2 (ETCS L2) unter laufendem Betrieb ausgerüstet. Zwischen Gundelfingen und Haltingen erfolgte die Ausrüstung von rund 80 Streckenkilometern und die erstmalige Inbetriebnahme der ETCS-Zentralen, den sogenannten Radio Block Center (RBC) des Herstellers Hitachi in Deutschland. Das Projekt markiert zudem die erste Dreifachausrüstung mit Linienförmiger Zugbeeinflussung (LZB), Punktförmiger Zugbeeinflussung (PZB) und ETCS L2 in Deutschland.
Der Fachartikel schildert das Projekt umfassend: von der konzeptionellen Planung über die bauliche Umsetzung bis zu den Abnahmefahrten und der Inbetriebnahme. Die Integration im Bestand brachte zahlreiche technische Herausforderungen mit sich, darunter z. B. eine hohe Balisenanzahl, die detaillierte Projektierung der Release Speed (Entlassungsgeschwindigkeit) an den Signalen sowie die erstmalige Umsetzung von Systemübergängen zwischen ETCS L2, LZB und PZB. Der parallele Mischbetrieb wurde zwar erfolgreich realisiert, zeigte aber, dass Optimierungspotenziale wie die Reduktion von Balisen, flexiblere Planung und ein Verzicht auf Zusatzfunktionen nötig sind, um Aufwand und Komplexität zu senken. Zur Auswertung von Abnahmefahrten wurde außerdem ein Werkzeug entwickelt, das Fahrdaten der Juridical Recording Unit aus Alstom- und Siemens-Triebfahrzeugen darstellt. Durch die Verknüpfung mit der PT 2-Projektierung leistet es einen praktischen Beitrag zu einer effizienten Fehleranalyse im Feld. Die Abnahmefahrten bestätigten schließlich die Funktionalität der Anlage.
Die im Projekt gesammelten Erfahrungen gelten als Meilenstein für die Migration von ETCS in Deutschland und liefern wichtige Erkenntnisse für die weitere Digitalisierung und Effizienzsteigerung künftiger Großprojekte im Bestand und Neubau.
Weitere Details zu den besonderen Herausforderungen, den technischen Innovationen und dem Ausblick für künftige ETCS-Projekte sind in einem Fachartikel in der Januarausgabe der „Der Eisenbahningenieur“ ausführlich beschrieben.