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Georedundanz in der digitalen Leit- und Sicherungstechnik
06.05.2026

Georedundanz in der digitalen Leit- und Sicherungstechnik

Zunehmende Gefährdungen wie Extremwetter und vorsätzliche Beschädigungen erhöhen den Druck auf die Bahninfrastruktur. Vor diesem Hintergrund muss die Leit- und Sicherungstechnik georedundant ausgelegt werden. Das bedeutet: Fällt ein Rechenzentrum aus, übernimmt ein anderer Standort dessen Funktionen. So lassen sich die Verfügbarkeit des Systems sicherstellen und die Anforderungen an Kritische Infrastrukturen (KRITIS) erfüllen. 

Die Digitalisierung der Leit- und Sicherungstechnik (LST) verändert die Architektur des Bahnsystems grundlegend. Funktionen, die früher in vielen dezentralen Stellwerken verteilt waren, werden heute in zentralen Rechenzentren – den Digitalen Technikzentralen (DTZ) – gebündelt. Diese Zentralisierung ermöglicht Skaleneffekte, eine effizientere Betriebsführung und eine vereinfachte Wartung. Gleichzeitig entstehen dadurch aber auch neue Anforderungen an die Ausfallsicherheit.

Vor diesem Hintergrund gewinnt Georedundanz als strategisches Resilienzkonzept zunehmend an Bedeutung. Georedundanz bedeutet, dass ein räumlich getrennter Rückfall-Standort beim Ausfall eines Primär-Standorts dessen Aufgaben übernehmen kann. Für kritische Infrastrukturen wie das Bahnsystem ist dies nicht nur eine betriebliche Notwendigkeit, sondern auch regulatorisch erforderlich – etwa im Rahmen der KRITIS-Vorgaben des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI).

Eine kurzfristig umsetzbare Lösung ist das so genannte „Cold‑Standby“. Dabei werden an einem Rückfall-Standort zum Primärsystem identische Komponenten installiert, die im Regelbetrieb inaktiv bleiben und erst im Störungs- oder Katastrophenfall aktiviert werden. Dieser Ansatz lässt sich mit heutigen LST-Produkten realisieren und schafft vergleichsweise schnell zusätzliche Ausfallsicherheit. Allerdings ist er mit einem erhöhten Hardware- und Wartungsaufwand verbunden.

Langfristig strebt die DB InfraGO allerdings ein stärker automatisiertes und effizienteres Zielbild an: das so genannte „Warm‑Standby“ auf Basis virtualisierter LST-Funktionen. Dabei laufen Fallback-Instanzen bereits im Regelbetrieb mit, bleiben technisch integriert und halten ihre dynamischen Zustandsdaten synchron, benötigen jedoch nur reduzierte Ressourcen. Im Störfall können sie innerhalb kurzer Zeit in den Vollbetrieb überführt werden. Die Virtualisierung auf herstellerunabhängiger Standardhardware ermöglicht zudem eine flexiblere Nutzung von Rechenkapazitäten, senkt Kosten und Obsoleszenzrisiken und verbessert die Energieeffizienz.

Die Einführung georedundanter LST ist damit weit mehr als ein technisches Upgrade. Sie ist ein wesentlicher Baustein, um den Bahnbetrieb in Deutschland und Europa angesichts wachsender Risiken resilient, sicher und zukunftsfähig aufzustellen.

Detaillierte Informationen können in einem aktuellen Fachartikel im Magazin SIGNAL+DRAHT (März 2026) nachgelesen werden.

Den vollständigen Fachartikel gibt es hier