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Exemplarischer Plan-Ist-Vergleich in der Softwareumgebung DRVito (Copyright: DB InfraGO AG / Digitale Schiene Deutschland)
16.07.2026

Georeferenzierte Abnahme von LST-Elementen: Pilotprojekt in Mannheim zeigt Potenziale für die digitale Zukunft

Abnahmen in der Leit- und Sicherungstechnik (LST) sind heute oft mit hohem manuellem Aufwand, Sperrpausen und Arbeiten im Gleisbereich verbunden. Ein Pilotprojekt in der Zugbildungsanlage Mannheim zeigt, wie dieser Prozess künftig mit deutlich weniger Aufwand ablaufen kann: Mithilfe hochpräziser Multisensor-Erfassung, KI-gestützter Datenauswertung und der Software DRVito werden LST-Elemente georeferenziert erfasst und mit den Planungsdaten abgeglichen. Das Ziel: Prüfungen schneller und effizienter machen und perspektivisch einen großen Teil der Abnahme vom Schreibtisch aus ermöglichen.

Wie lassen sich Abnahmeprozesse in der Leit- und Sicherungstechnik schneller, sicherer und effizienter gestalten? Diese Frage gewinnt im Rahmen der Digitalisierung des Schienenverkehrs zunehmend an Bedeutung. Denn Infrastrukturprojekte stehen unter hohem Zeitdruck, dem gegenüber stehen Prüf- und Abnahmeprozesse, die häufig noch manuell erfolgen, ressourcenintensiv und mit Arbeiten im Gleisbereich verbunden sind. Ein Pilotprojekt in der Zugbildungsanlage Mannheim zeigt, wie ein neuer Ansatz hierbei unterstützen kann: die georeferenzierte Abnahme von LST-Elementen.

Ziel des Pilotprojektes war es, einen bislang aufwendigen Prüfprozess stärker zu digitalisieren und perspektivisch so weiterzuentwickeln, dass ein großer Teil der Abnahme „vom Schreibtisch aus“ erfolgen kann. Im Mittelpunkt steht der digitale Abgleich zwischen der real gebauten Anlage und den zugehörigen Planungsdaten. Dafür werden LST-Elemente wie Signale, Achszähler oder Balisen hochpräzise erfasst, georeferenziert dokumentiert und anschließend digital ausgewertet.

Die technische Grundlage bildet eine Multisensor-Erfassung, bei der moderne Messsysteme die Infrastruktur aufnehmen und als digitale Datenbasis bereitstellen. Aus den erfassten Informationen entstehen unter anderem Punktwolken, die die reale Situation vor Ort präzise abbilden. KI-gestützte Verfahren helfen dabei, relevante Objekte automatisiert zu erkennen und zu klassifizieren. Die Koordinaten der eingebauten LST-Elemente können direkt nach der Montage mit einem GNSS-Messgerät bestimmt werden. Dieses nutzt Satellitensignale zur genauen Positionsbestimmung auf der Erde. Die Daten werden anschließend in die Software DRVito übertragen. Die Software DRVito spielt eine zentrale Rolle in der Auswertung: Sie unterstützt den Soll-Ist-Vergleich zwischen Planung und tatsächlicher Ausführung und ermöglicht virtuelle Begehungen der Anlage. So kann geprüft werden, ob LST-Elemente korrekt positioniert und gemäß Planung umgesetzt wurden.

Das Vorhaben erweitert die sogenannte „Durchgängig Digitale Datenhaltung im Planungsprozess“, kurz D3iP. Dadurch sollen Planungs-, Bau- und Betriebsdaten konsistenter miteinander verbunden werden. Medienbrüche werden reduziert, die Datenqualität steigt und Prüfprozesse können besser standardisiert werden. Damit schafft das Pilotprojekt eine wichtige Grundlage für effizientere Abnahmen und einen beschleunigten Rollout moderner Leit- und Sicherungstechnik.

Die Ergebnisse aus dem Pilotprojekt in Mannheim zeigen: Die georeferenzierte Abnahme ist praktisch umsetzbar und bietet großes Potenzial. Sie kann Sperrpausen reduzieren, Prüfaufwände verringern und Infrastrukturprojekte transparenter machen. Gleichzeitig erhöht sie die Sicherheit für Mitarbeitende, weil weniger Tätigkeiten direkt im Gleisbereich erforderlich sind. Langfristig entsteht daraus ein neues Zielbild: Planung, Bau, Abnahme und Betrieb greifen digital ineinander. Die Abnahme vom Schreibtisch könnte so zu einem zentralen Baustein für die digitale Infrastrukturprüfung der Zukunft werden.

Weitere Details zum Thema georeferenzierte Abnahme von LST Elementen sind in einem aktuellen Fachartikel des Magazins Deine Bahn zu finden.