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Cloud4Rail bringt virtualisierte Leit- und Sicherungstechnik auf die Schiene
17.09.2026

Cloud4Rail bringt virtualisierte Leit- und Sicherungstechnik auf die Schiene

Vom Architekturkonzept zur Betriebserprobung im Testfeld: Am 27.08.2026 haben 
DB InfraGO und Siemens Mobility erstmals unter realen Bedingungen gezeigt, wie ein Radio Block Center als exemplarische, sicherheitskritische Anwendung der digitalen Leit- und Sicherungstechnik durch Virtualisierung von der darunterliegenden Hardware getrennt werden kann. Für die dabei verwendete DB-eigene On-Premises Cloud-Lösung kamen ausschließlich gängige Standard-Komponenten zum Einsatz, wie sie in modernen Cloud-Rechenzentren zu finden sind.

Im Beitrag „Cloud4Rail: Wie Virtualisierung die Leit- und Sicherungstechnik verändert“ haben wir den technischen Ansatz vorgestellt: Anwendungen der digitalen Leit- und Sicherungstechnik (dLST) sollen von herstellerspezifischer Hardware entkoppelt und perspektivisch auf modularen, standardisierten IT-Plattformen betrieben werden.

Gemeinsam mit Siemens Mobility hat die DB InfraGO den Ansatz aus dem Labor in das Digitale Testfeld Bahn im Erzgebirge gebracht. Eine exemplarische sicherheitskritische Bahnanwendung wurde während einer realen Zugfahrt auf einer virtualisierten Plattform mit handelsüblichen IT-Komponenten betrieben. Damit wurde die technische Integration der gemeinsam aufgebauten Gesamtlösung erstmals in einer Betriebsumgebung demonstriert.

Video zur Betriebserprobung im Digitalen Testfeld Bahn in Scheibenberg

Gäste des fördernden Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie, des Projektträgers und des Eisenbahnbundesamts waren zum Bahnhof Scheibenberg im Digitalen Testfeld Bahn der DB InfraGO im Erzgebirge geladen. In ihren Keynotes bekräftigten die Partner die Wichtigkeit europäischer Standards und Zusammenarbeit. Zum Abschluss gaben DB InfraGO und Siemens Mobility bekannt, die erprobte Architektur in den nächsten Jahren in Form eines ersten deutschen Pilotprojektes für ein Stellwerk in der bahneigenen Cloud im Regelbetrieb umzusetzen. Damit arbeitet die DB InfraGO aktiv daran, diese zukunftsweisende Technologie kurzfristig für den Flächenrollout verfügbar zu machen und den dLST-Rollout und -betrieb damit kostengünstiger und schneller zu gestalten.

Mit einer realen Zugfahrt über etwa 50 speziell für diesen Test verlegte Eurobalisen zeigte das Projektteam die erfolgreiche Kommunikation des Zuges mit dem streckenseitig aufgebauten virtualisierten Radio Block Center (RBC). Die RBC-Software – in diesem Probebetrieb noch nicht unter Sicherheitsverantwortung – inklusive der für die sichere Ausführung verantwortlichen DS3-Plattform von Siemens Mobility liefen dabei in virtuellen Maschinen auf Standardhardware.

Eine Schlüsselrolle übernimmt die im Projekt neu implementierte „Native Hardware Access“ (NHA) Komponente. Sie ermöglicht den Zugriff virtualisierter Anwendungen auf benötigte Hardwareinformationen. Die Komponente wurde im Projekt als Open-Source-Referenzimplementierung auf GitHub veröffentlicht und steht damit auch anderen Akteuren im Sektor für die Erprobung und Weiterentwicklung zur Verfügung.

Ein gemeinsamer Fachartikel zum Thema erscheint in SIGNAL+DRAHT (09/2026) unter der Überschrift „Erste Implementierung einer virtualisierten LST-Architektur bis SIL 4“.